Gutenbergs Wappen
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Historische Konstellation

"Officina Typographica"/
"Atelier Typographique"/
"Buchdrucker-Werkstatt"


Sternbild "Gutenberg" ?



Seit Urzeiten haben Menschen die Fixsterne um markante Sterne herum zu Sternbildern (Konstellationen) zusammengefaßt (für eine Darstellung aus der Antike siehe den "Mainzer Globus") und oft nach Gottheiten oder Heroen benannt. [Ob man allerdings wirklich bis in die Steinzeit zurückgehen kann, wie unlängst BBC und space.com am Beispiel der links abgebildeten Zeichnung aus der Höhle von Lascaux berichteten, überlasse ich dem Leser. Dr. Rappenglück interpretiert es als das Sternbild STIER mit dem "Goldenen Tor der Ekliptik", den Plejaden und Hyaden, die als Gruppen von schwarzen Punkten dargestellt sind, und zwar als 6 Punkte rechts vom Kopf bzw. als Punkte um das Auge (dem Stern Aldebaran) herum. Das Siebengestirn ist auch auf der rechts abgebildeten 3600 Jahre alten Bronzeschale zu sehen, die in Sachsen-Anhalt ausgegraben wurde. Sie erinnert an altägyptische Himmelsbarken.]
Und zu allen Zeiten gab es (aus unterschiedlichen Beweggründen) Vorschläge für neue Konstellationen (Übersichten seit der römischen Kaiserzeit [s. ANTINOUS durch Kaiser Hadrian] finden sich z.Bsp. bei Shane Horvatin's Obsolete Constellations oder im Lexicon of nonI.A.U.-constellations).
Seit dem 16. Jh. wurden von verschiedenen Autoren zahlreiche neue Sternbilder erfunden (s. z.Bsp. "Encyclopedia Britannica": New constellations - 16th - 20th centuries), wobei neben herausragenden Zeitgenossen insbesondere (zumal in der Zeit der Aufklärung) aktuelle technisch-wissenschaftliche Erfindungen verewigt werden sollten wie z.Bsp. Charles Messier (CUSTOS MESSIUM "Erntehelfer"), Friedrich der Große (HONERES FREDERICI oder auch FREDERICI GLORIA), "Der Chemische Apparat", die Elektrisiermaschine ( MACHINA ELECTRICA), F.W. Herschels Fernrohre ( TELESCOPIUM HERSCHELII MAJOR sowie MINOR).

In der Zeit der französischen Revolution besuchte der Direktor der Pariser Sternwarte J.J. de Lalande F.X. von Zach, den Leiter der Gothaer Sternwarte. Da im damaligen Heiligen Reich der Umgang mit Revolutionären verdächtig war, lud von Zach noch weitere Kollegen aus Deutschland und der Schweiz ein. Diejenigen, die von ihren Duodezfürsten Reiseerlaubnis bekamen, trafen sich 1798 zum ersten europäischen Astronomenkongress in Gotha. Ein Teilnehmer war der Berliner Astronom J.E. Bode, der eine Beschreibung seines Aufenthaltes in seinem Astronomischen Jahrbuch für das Jahr 1803 (Berlin 1798) veröffentlichte. Auf Seite 238 findet sich dann folgendes:

Bei dieser Gelegenheit glaubte Herr de Lalande noch Platz auf den Himmelskarten für neue Sternbilder zu finden. Er wünschte, einen Aerostat als die Erfindung eines Franzosen unter die Sterne versetzt zu sehen. Ich nutzte die Veranlassung, wider meinen sonstigen festen Vorsatz, keine neuen Sternbilder mehr einzuführen, und schlug zum Gegenstück vor, die über 350 Jahre alte Erfindung eines Deutschen, nemlich die Buchdruckerkunst, durch irgend ein Emblem am Himmel zu verewigen. Beyde Vorschläge wurden genehmigt. Das erstere Bild wird zwischen dem Steinbock und südlichem Fisch, das andere aber zwischen dem Schiff, Einhorn und großen Hund seinen Platz finden.

J.E. Bode hat zwei unterschiedliche Bedürfnisse befriedigende Himmelsatlanten herausgegeben. Zum einen die 1782 zuerst erschienene "Vorstellung der Gestirne auf vier und dreyssig Kupfertafeln" (von der es bis in unsere Zeit zahlreiche Neuauflagen gab; u.a. als Beilage in "Sterne und Weltraum"), eine deutsche Version des weitverbreiteten "Atlas coelestis" von John Flamsteed aus dem Jahre 1729 und zum anderen die "Uranographia", eine Kompilation des gesamten verfügbaren Materials von Ptolemaios über Flamsteed bis zu Herschel, de Lalande und Bode selbst (Im Hinblick auf eine internationale Zielgruppe ist der Katalogband zweisprachig deutsch/französisch abgefasst. Wie haben sich die Zeiten geändert!).

In der für die an der Astronomie interessierten Laien herausgegebenen Vorstellung der Gestirne erscheint das Sternbild unter der deutschen Bezeichnung Buchdrucker-Werkstatt.
(Ein größerer Ausschnitt aus der Karte XVIII mit Erläuterungen)

Über das neue Sternbild werden in Bodes "Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels" (Berlin 1801) nähere Angaben gemacht:
(Zitiert in Adolph Tronniers "Zwei kleine Beiträge; 1. Eine astronomische Gutenberg-Ehrung" im Gutenberg-Jahrbuch 1950)

Seite 153/4:
Ostwärts vom Sirius zwischen den Sternen am Hintertheile des Schiffs und dem Einhorne steht die Buchdrucker-Werkstaatt, welche ich vor kurzem eingeführt, mit verschiedenen kenntlichen Sternen zum Theil in der Milchstraße.

Zum Monat März, S. 197:
Unterdessen steht hier ostwärts beym großen Hunde das Hintertheil des Schiffs Argo in der Milchstraße über dem Südhorizonte, worin sich verschiedene kenntliche Sterne dritter und vierter Größe auszeichnen. Über diesen ostwärts vom Sirius und nahe zur Linken an der Milchstraße sind die vornehmsten Sterne in der Buchdrucker-Werkstatt zu erkennen.

Zum Monat Februar, S. 170:
Aus den zum Theil kenntlichen Sternen, die zwischen Sirius oder dem Kopfe des großen Hundes, dem Schiff und dem Einhorne zum Theil noch in der Milchstraße stehen, habe ich ganz neulich die Buchdrucker-Werkstatt, bestehend aus einem Theile der Presse, dem Schriftkasten, beyden Ballen etc. formirt.

In einer Fußnote:
Sie steht auf dem XVIII. Blatt meiner großen Himmelskarten; ich habe damit das Andenken einer höchstwichtigen bereits 360 Jahre alten Erfindung eines Deutschen, nämlich die Buchdruckerkunst, am Sterngewölbe verewigen wollen.

In dem Katalogband der "Uranographia" findet sich die folgende Beschreibung des Sternbilds (in der wissenschaftlichen Karte werden die lateinischen Namen verwandt):

Officina typographica:
Dieses Gestirn erscheint zuerst in diesen Charten, gerade links vom Sirius und dem Kopf des großen Hundes, und macht sich an verschiedenen daselbst in und bey der Milchstraße stehenden Sternen kenntlich. Ich habe es erst ganz neuerlich in Vorschlag gebracht, um damit das Andenken einer äußerst wichtigen über 350 Jahr alten Erfindung eines Deutschen, am Sterngewölbe zu erhalten. Es besteht aus einem Theil der Druckerpresse, dem Schriftkasten, Ballen &c.

Johann Elert Bode
Allgemeine Beschreibung und Nachweisung der Gestirne nebst Verzeichniss der geraden Aufsteigung und Abweichung von 17240 Sternen, Doppelsternen, Nebelflecken und Sternhaufen
( Uranographia sive astrorum descriptio viginti tabul oeneis incisa ex recentissimis et absolutissimis Astronomorum observationibus) --Berlin: apud Autorem, 1801. QB43.B65 folio.
Das linke Bild zeigt einen Ausschnitt aus Bodes Karte mit links "Officina Typographica" und rechts "Canis Major".
Die Bibliothek der Astronomischen Fakultät der Universität Bologna stellte uns ein elektronisches Bild aus ihrem Exemplar des Bodeschen Sternatlanten zur Verfügung. Danke!

Zur Gesamtansicht der Karte.

Leider nennt Bode nirgends den Namen des Erfinders. Dies entspricht jedoch der Einstellung der damaligen Astronomen, da auch de Lalande den Aerostaten und nicht deren Erfinder, sei es die Gebrüder Montgolfier oder Prof. Charles, vorschlug.
Bode gibt in seinem "Nachtrag zur Anleitung zur Kenntniß des gestirnten Himmels" 1817 folgende Erläuterung:
"Hätten aber die Alten, statt der Namen und menschlichen Figuren ihrer Helden und Wohlthäter, lieber die Attribute derselben oder das, wodurch sie sich um das Menschengeschlecht verdient gemacht, figürlich an den Himmel gesetzt; so würde uns der gestirnte Himmel lehrreichere Denkmäler ihrer Geschichte und Thaten aufbewahren."

Das neue Sternbild lag zwischen den alten Konstellationen Schiff (Argo Navis, in der Neuzeit aufgeteilt in Puppis, Carina, Vela und Pyxis), Einhorn (Monoceros) und Großer Hund (Canis Maior). Es umfasste 117 zumeist lichtschwache Sterne (da Bode die herkömmlichen Bilder nicht allzusehr verstümmeln wollte), die heute den nördlichsten Teil des IAU-Sternbildes Puppis (das Heck) ausmachen.
Die Tabelle zeigt für die lichtstärksten darunter die Positionen, die visuellen Magnituden und die Parallax-Werte aus dem HIPPARCOS-Katalog (s. The Hipparcos and Tycho Star Catalogues: I/239).


Die Positionen dieser Sterne sind auch im obigen Schema zu sehen
(Erstellt mit RedShift © 1995 Ullstein Verlag.).
Zum vollständigen Bild mit Erläuterung der Symbole.


Diese Aufnahme ist dem Sonneberger photographischen Himmelsatlas entnommen.
Hauptsterne der "Officina typographica":
i Navis (heute Puppis) Flamsteed-No.

Auszug aus HIPPARCOS-Sternkakalog
i right ascension
[h:m:s]
declination
[d:m:s]
Vmag
[mag]
parallax
[mas]
2
 
07 45 29.13
07 45 28.73
-14 41 25.9
-14 41 10.2
6.06
7.03
9.09
8.10
4 07 45 56.88 -14 33 49.8 5.03 13.80
5 07 47 56.72
07 47 56.70
07 48 30.56
-12 11 33.7
-12 11 32.3
-12 13 06.8
5.79
7.48
7.76
33.06
 
 
6 07 49 41.17 -17 13 41.2 5.17 12.87
8 07 51 40.88 -12 49 09.8 6.37 13.37
9 07 51 46.30
07 51 46.27
-13 53 52.9
-13 53 52.5
5.67
6.57
59.98
 
10 07 52 18.88 -14 50 46.2 5.69 2.75
14 08 04 41.42 -19 43 41.4 6.12 2.07
16 08 09 01.64 -19 14 42.0 4.40 6.90
18 08 10 39.98 -13 47 57.7 5.53 44.47
19 08 11 16.32 -12 55 37.3 4.72 17.64
20 08 13 19.98 -15 47 17.6 4.99 2.65
21 08 17 23.14
08 16 52.75
08 16 52.79
-16 17 6.03
-16 14 18.6
-16 14 15.2
6.32
10.99
9.22
3.80
 
 
22 08 22 46.85 -13 03 17.3 6.13 7.93


Die neuen Sternbilder wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts allgemein akzeptiert. Die Buchdruckerwerkstatt erscheint z.Bsp. auf zwei in Frankfurt aufbewahrten Himmelsgloben von Johann Georg Franz (1804) aus Nürnberg (Senckenberg-Bibliothek) bzw. Johann Georg Klinger (1805) ebenfalls aus Nürnberg (Historisches Museum).
Die Abbildung links oben zeigt Tafel XXV aus Alexander Jamieson: "A Celestial Atlas comprising a Systematic Display of the Heavens"; London 1822. Die Abbildung rechts oben dagegen aus Kornelius Reissigs 1829 in St. Petersburg erschienenen "Vorstellung der Sternbilder in 30 Tafeln" zeigt auf Tafel XXVII die Typographica (in Kyrillisch) nur noch angedeutet. Sie stiessen jedoch in den folgenden Generationen von (Berufs)astronomen weitgehend auf Ablehnung und wurden wieder abgeschafft.

Mitte Februar 2005 versandte Felice Stoppa eine Nachricht an Personen, die sich für alte Sternkarten interessieren. Ein befreundeter Bibliothekar hatte ihn nach dem Autor einer anonymen Sternkarte gefragt. Sie ist in deutsch beschriftet und zeigt viele der um 1800 neu eingführten Sternbilder.
Für Mainzer Astronomen besonders interessant ist der links gezeigte Ausschnitt. Er zeigt die "Buchdrucker Werkstatt".
Auffallend ist die große Ähnlichkeit mit Bodes weiter oben schon erwähnten "Vorstellung der Gestirne" (siehe Ausschnitt rechts).

Kennt ein Leser diese Karte?

Unser Sternfreund Th. Loeken sandte die Meinung eines bekannten Astronomen aus dieser Zeit:
Es ist interessant einmal zu sehen, was Johann Mädler, der immerhin einen Mondkrater nach dem Erfinder der Buchdruckerkunst benannte (s. Krater Gutenberg), vom Sternbild "Officina Typografica" hält:

Man hätte nun mit den 77 bis 79 Sternbildern, in denen sich alle Sterne des Himmels unterbringen liessen, sich begnügen können, aber das Vergnügen, neue einzuführen, war zu verlockend. Hevel führte auch am nördlichen Himmel, wo keine Nothwendigkeit vorlag, den Camelopard, die Jagdhunde, den Cerberus, die Eidechse, den kleinen Löwen, den Luchs, das Einhorn, den Sobiesky'schen Schild, den Sextanten, den kleinen Triangel und den Fuchs mit der Gans ein, er setzte auch Nebenbilder bei allen Sternbildern hinzu und engte dadurch schon manches alte Sternbild beträchtlich ein. Andere, die vielleicht keines einzigen Sternes Position bestimmt hatten, führten dennoch Sternbilder ein und im 18. Jahrhundert sah man auf den Sternkarten Luftpumpe und Elektrisirmaschine, Kompass und Zirkel, einen chemischen Ofen und eine Buchdruckerwerkstatt abgebildet, als ob es sich darum handle, hier alle Erfindungen der Neuzeit zu verewigen. Wäre es so fortgegangen, so hätten wir den Himmel mit einem Telegraphennetz umspannt, die Milchstrasse mit Eisenbahnschienen belegt und eine Locomotive als neuestes Sternbild darauf erblickt.
[J.H. Mädler, Geschichte der Himmelskunde, 1873]

Die Astronomen F.W.A. Argelander ( "Uranometria nova", 1843 und "Bonner Durchmusterung", 1863) sowie B.A. Gould ( Uranometria Argentina (1877-79)) legten für die wissenschaftlich ausgerichteten Sternatlanten und -tabellen die Grenzen der Sternbilder neu fest, wobei für den nördlichen Himmel im wesentlichen auf die antiken Sternbilder zurückgegriffen wurde. Darüberhinaus drängten sie die allegorischen Darstellungen der Sternbilder zurück, Bodes Uranographia war somit die letzte wissenschaftlich ausgerichtete Karte mit hervorgehobenen Abbildungen (die anscheinend gerade deshalb noch heute oft reproduziert werden?). Den Übergang zu nurmehr schemenhaften Darstellungen sieht man schon an dem 1839 in Stuttgart erschienenen "Atlas des gestirnten Himmels" von Joseph J. von Littrow (s. links).

Diese vereinfachte Darstellung ist Catherine Tennants The Box of Stars: A Practical Guide to the Night Sky and to Its Myths and Legends /Book, Cards and Maps von 1993 entnommen. Sie beruht auf einer handkolorierten Nachzeichnung der Bodeschen Karte aus Urania's Mirror, die von einer geheimnisvollen "young Lady" um 1825 angefertigt wurde ( siehe weitere Erläuterungen mit Abbildungen).

In popularisierenden Werken wie Urania's Mirror oder C. Flammarions Les Étoiles et les Curiosités du Ciel (Paris 1882) wurden Bodes Karten noch lange nachgedruckt und somit überlebten die neuen Sternbilder ausserhalb der Wissenschaft. Noch 1993 erscheint das "Atelier typographique" in Catherine Tennants The Box of Stars: A Practical Guide to the Night Sky and to Its Myths and Legends /Book, Cards and Maps. Auch als Illustration im Vorwort neuer Himmelsatlanten werden sie oft abgebildet, so findet sich die "Officina Typographica" in der Uranometria 2000.0 von W. Tirion, B. Rappaport und G. Lovi (1987).
Ein Teil der neuen Sternbilder wurde allerdings an den südlichen Himmel versetzt (z.Bsp. das Sternbild MUSCA, die Fliege).
Lalandes Sternbild "QUADRANS MURALIS" lebt im um die Jahreswende auftretenden Quadrantiden-Meteorschauer fort (Hinweise für Beobachter).
1930 legte dann die IAU 88 Sternbilder fest.


Die Anregung zur Erstellung dieser Seite kam mir im Sommer 1999 beim Lesen der Seiten zum Gutenberg-Jahr, und zwar Gutenberg und seine Zeit in Daten in der unter dem Jahr 1798 von dem nicht ausgeführten Beschluss einer Astronomen-Versammlung zur Einführung eines neuen Sternbildes "Gutenberg" berichtet wurde. Da ich im World-Wide-Web keinen Hinweis auf ein Sternbild dieses Namens finden konnte und auch die Ersteller der Gutenberg-2000 Seiten nicht willens / in der Lage waren mir ihre Quellen zu nennen, begann eine frustrierende Suche, die dann Dank der Auskünfte von Prof. Brosche und insbesondere Dr. Kokott (die 1998 zur 200 Jahrfeier in Gotha einen Kongress geleitet hatten, s. unten) letztendlich zum Sternbild "Officina Typographica" führte, das einige Jahrzehnte in Himmelsatlanten verzeichnet war und zuletzt 1993 in "The Box of Stars" nachgedruckt wurde.
In den September 1999 erschienenen Beiträgen zur Astronomiegeschichte, Band 2 berichten P. Brosche et al., daß in einem Brief des Organisators des Kongresses 1798 in Gotha Freiherr von Zach ein Beschlussprotokoll erwähnt wird. Ob darin auch die neuen Sternbilder Lalandes und Bodes beschlossen wurden, musste offen bleiben, da das Protokoll selbst der historischen Wissenschaft nicht bekannt ist.
Daraufhin angesprochen fand die Direktorin des Gutenberg-Museums, Frau Dr. Eva Hanebutt-Benz, einen Artikel aus dem Gutenberg-Jahrbuch 1950 (Eine astronomische Gutenberg-Ehrung, S. 121-125 von Adolph Tronnier), indem die Ereignisse von 1798 ausführlich beschrieben werden. Details finden sich u.U. in den dort zitierten Werken Schaab, Gesch. d. Erfindg. d. Bdrkunst, Mainz 1830/1, Bd.2, und Antonius van der Linde, Gutenberg, Stuttg. 1878, S. 84.


Nachtrag:

Im gerade erwähnten Artikel aus dem Gutenberg-Jahrbuch 1950 machte Adolph Tronnier auch einen Vorschlag zur Umbenennung eines Sternbilds. Nachdem er die Umstände, die zum Vorschlag der "Officina Typographica" durch Bode führten, erläutert hat listet er noch die weiteren damals vorgeschlagenen neuen Sternbilder mit technischen Erfindungen auf (s. oben), um dann fortzufahren:

"Die gelehrten Männer, deren Wirkungsfeld außerhalb des kosmischen Stäubchens Erde lag, müssen von geradezu seherischem Geist erfüllt gewesen sein, als sie diesen Entdeckungen und Erfindungen einen Platz am Himmel zuerkannten, diesen Dingen, die zu ihrer Zeit noch ohne besondere Bedeutung waren, im Kommenden aber das Weltbild umgestalteten; haben sie uns doch eine nie gewesene Zivilisation herbeigezaubert, die durch die Tiefe der Naturerkenntnis, durch ihre technischen Wunder ebenso zu Begeisterung hinreißt, wie sie durch ihre seelische Verflachung und Veräußerlichung, ihren eigennützigen Mißbrauch, ihren Raubbau an der Natur erschreckt. Aber ob Segen oder Fluch, eins ist gewiß, daß diese rasende, oft sich überstürzende Entwicklung unmöglich gewesen wäre ohne die Erfindung des unsterblichen Mainzers. Viele Denkmäler sind im verflossenen Jahrhundert zu dessen Ehren errichtet worden. Sie sind Menschenwerk und vergänglich. Das Erinnerungsmal am Himmel jedoch wird bestehen. Es ist leider nur ein unbedeutendes Sternbild, dem Bode noch einen Namen geben konnte, nur drei seiner Sterne sind vierter Größe, alle anderen schwächer und dem bboßen Auge kaum oder gar nicht erkennbar. Aber vielleicht kommt einmal eine Zeit, in der Pietät wieder etwas gilt, eine Zeit der Kultur, die aus tiefem Verständnis und Dankbarkeit den Orion in Gutenberg umbenennt, damit dieses größte und schönste aller Sternbilder, das schon so manchen Namen getragen hat, mit seinen strahlenden Sonnen noch die spätesten Geschlechter an Person und Werk des größten Wissens- und Kultur-Vermittlers der Menschheit, dieses Siegelbewahrers im Reiche des Geistes, gemahnen möge."
[Hervorhebung durch den Redakteur. Die Darstellung des Orion links ist Catherine Tennants "Box of Stars" entnommen.]

Also doch noch ein

Sternbild "GUTENBERG",

auch wenn der Vorschlag nicht mehr ganz zeitgemäß war, insbesondere nachdem sich die IAU 1930 endgültig wieder im wesentlichen auf die antiken Vorbilder festgelegt hatte (für die klassischen Sternbilder siehe auch auf der AAG-Seite "Mainz im All" den Beitrag über den antiken "Mainzer (Himmels)globus").


Ausführlichere Informationen zum ersten europäischen Astronomenkongress in Gotha 1798 finden sich in Band 3 der Acta Historica Astronomiae.
Allgemein: Arbeitskreis Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft.

Dank für kompetente und schnelle Auskünfte an Prof. Dr. P. Brosche, Sternwarte der Universität Bonn, und Dr. W. Kokott, Institut Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität München.
Dank auch an die Direktorin des Gutenberg-Museums, Frau Dr. Eva Hanebutt-Benz, für den Hinweis auf den Artikel aus dem Gutenberg-Jahrbuch 1950 Eine astronomische Gutenberg-Ehrung.
Frau Dr. Marina Zuccoli und Dr. Davide Neri von der Bibliothek der Astronomischen Fakultät der Universität Bologna sei hiermit für die Überlassung des Bildes der Karte XVIII aus Bodes "Uranographia" gedankt.
nach oben

Juli 2000 wurde die Web-Seite zum Gutenberg-Jahr aktualisiert. Auf der Unterseite "Gutenberg und seine Zeit - Datenleiste zum 15. Jahrhundert - Die Zeit Johannes Gutenbergs" wird nun auf alle drei astronomischen Ehrungen Gutenbergs hingewiesen inklusive Link auf die Gutenberg-Seiten der AAG.

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Erstellung dieser Seite: Bernd Pfeiffer.
Kritik, Fragen und Anregungen bitte an AAG Mainz oder Gästebuch

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.02.2005


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