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Mondkrater und Rimae Gutenberg:Lage, Name, Entstehung
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Zur ersten Orientierung über die Lage des Kraterfeldes (Hauptkrater und Nebenkrater A - G) sowie der Rimae Gutenberg am nördlichen Ende der Montes Pyrenaeus zwischen dem Mare Fecunditatis und dem Mare Nectaris eignet sich
Der Mondkrater Gutenberg findet sich in der linken unteren Ecke der
Karte #48,
die Rimae Gutenberg in der rechten oberen Ecke der
Karte #47.
Der Hauptkrater hat einen Durchmesser von 74 km und damit würde
der Kleinplanet (777)
Gutemberga gerade darin Platz finden. Doch auch die
Nebenkrater sind teilweise recht beachtlich; Gutenberg A hat immerhin noch
15 km Durchmesser, also etwas kleiner als das
Nördlinger Ries mit 24 km.
Auch die Rimae Gutenberg, ein System mehr oder weniger
paralleler Rillen, erstrecken sich über 330 km.

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Die historisch gewachsene Benennung von Formationen auf dem Mond [beginnend mit
Langrenus (
Plenilunium 1645), J. Hevelius
(Selenografia sive Lunæ Descriptio 1647 [s. linke Abb.]) und den Jesuiten G.B. Riccioli und
F.M. Grimaldi
(
Almagestum novum 1651) [s. rechte Abb.], wobei sich nur letzteres System
mit Benennung nach
Wissenschaftlern (insbesondere Astronomen) durchsetzte und die Namen von 1651
weitgehend noch heute gelten, wie z.Bsp. Copernicus, Kepler, Galilei, und das
obwohl die Autoren Anhänger des Ptolemäischen Systems waren!] wurde
1935 durch die IAU reglementiert [Named Lunar Formations
von Mary A. Blagg und K. Müller (Verlag Percy Lund,
Humphries and Co. Ltd., London 1935) und Map of the Moon von W.H. Wesley
und M.A. Blagg (1935)]. Die offizielle Tabelle findet man beim US
Geological Survey
Planetary Nomenclature Alphabetical Index (Da Gutenberg nur einmal
als Mondformation aufgeführt ist, nehme ich an, daß es (bis
jetzt)
keinen weiteren Krater dieses Namens auf anderen Himmelskörpern gibt.).
Interessanter wäre es zu wissen,
wer den Namen Gutenberg ursprünglich vorschlug |
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Im Laufe mehrerer Wochen gelang es tatsächlich in regem Gedankenaustausch mit mehreren Korrespondenten diese Frage zu klären. Um die Seite lesbar zu halten, soll im folgenden nur das Ergebnis aufgeführt werden, während der "chronologische" Ablauf, der zu vielen weiterführenden interessanten Informationen führte, auf einer getrennten Seite dargelegt ist (wirklich lesenswert).
Im Gegensatz zum benachbarten Krater Goclenius, der schon 1651 auf der o.e. Karte von Grimaldi verzeichnet ist, lässt sich der Name Gutenberg "nur" auf die Mappa selenographica von W. Beer und J.H. Mädler von 1837-8 zurück verfolgen:
Beer/Mädler zeichneten den Mond während ihrer Beobachtungen am
Refraktor Beers auf 104 etwa 20x28cm² messende Blätter (die
Photographie stand noch nicht zur Verfügung), die heute in der
Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt werden. Der Kratername Guttemberg ist auf
Blatt VI 82 dieser Originalzeichnungen eingetragen. Die Zeichnungen für
den 4. Quadranten mit dem Krater Guttemberg wurden im September 1834
abgeschlossen, so daß die Benennung spätestens 1834 erfolgte.
Ewen A. Whitaker kommt in seiner umfassenden Abhandlung Mapping and naming the moon: a history of lunar cartography and nomenclature (CUP 1999) zur gleichen Schlussfolgerung (s. Appendix I, S. 219).
In einem Brief teilte Dr. Whitaker darüberhinaus noch mit, daß die
heutige Schreibweise "Gutenberg" zuerst von S.A. Saunder in seinem
Katalog präziser Positionen von Mondkratern benutzt wurde. Diese
Schreibweise wurde dann 1935 von der IAU in der offiziellen Liste "Named
Lunar Formations" von Blagg/Müller übernommen.
| Einen ersten Hinweis auf das Alter gibt das
Klassifizierungsschema nach Ralph Baldwins Measure of the Moon,
1963, in dem der Krater Gutenberg zur Klasse 5 gerechnet wird: Craters which have been partly obscured by flooding with lava at the time of the formation of the Maria. Auf der linken Abbildung (Ausschnitt aus A. Rukls Karte #48) sieht man, daß der Wall des Kraters Gutenberg E (der den anscheinend noch älteren Wall des Hauptkraters überlagert) vom Lavafluß des Mare Fecunditatis (rechts des Bildausschnitts) durchbrochen wurde. |
Die Bildung der Mare erfolgte, als die letzten
grossen proto-planetaren Körper
entweder auf die Planeten und deren Monde einschlugen oder (im wesentlichen
durch die Gasplaneten) ins äussere Sonnensystem gestreut wurden, wo sie
den Kuiper-Gürtel und die Oort-Wolke als Reservoir für langperiodische
Kometen bilden. An Hand von Gesteinsproben, die die Apollo-Missionen zur Erde
zurückbrachten, lässt sich das Alter der Einschläge auf etwa
4,5 (Tranquilitatis, Fecunditatis) bis 3,8 Milliarden Jahre (Orientale)
datieren. Die folgenden 700 Millionen Jahre sind durch intensive
vulkanische Aktivitäten geprägt, infolgederen die Mare mit Lava
überflutet wurden. Der geflutete Krater Gutenberg müsste also
durch einen Einschlag vor der Phase der vulkanischen Aktivitäten
entstanden sein und damit ein Alter von etwa 4 Milliarden Jahren aufweisen.
[Eine Einführung in die Datierung von Erd- und
Mondformationen gibt (z.Bsp.) Charles R. Cowleys Vorlesung "Introduction to
Astronomy", und zwar Lecture 18 und
19] Genauere Werte ließen sich eventuell über die Kraterdichte
bestimmen (s. z.Bsp. das linke Schema aus der zitierten Vorlesung).
Eine umfangreiche Zusammenstellung der Geschichte der Mondforschung (und vieler Fakten) in englischer Sprache findet sich in The Solar System im Kapitel The Moon.
Im Rahmen des
LUNASCAN-Projektes
(ein Netzwerk von Amateurastronomen, das seit langer Zeit nach transienten
Phänomenen auf dem Mond Ausschau hält; siehe Artikel The TLP
Myth: A Brief for the Prosecution von W. Sheehan und Th. Dobbins in der
September 99 Ausgabe von "Sky & Telescope") finden sich viele
Web-Seiten mit Links zu Mondkarten und -bildern, wie z.Bsp.:
Im Verlauf der CLEMENTINE-Mission 1994 zum Mond
(siehe unten) hielten
Amateurastronomen nach transienten Phänomenen Ausschau. Anschliessend
wurden CLEMENTINE-Bilder der entsprechenden Regionen (aufgenommen vor und nach
den Beobachtungen) verglichen, um quantitativ messbare (und insbesondere
dokumentierte) Aussagen zu erhalten. Mitte Oktober 1999 auf der Tagung des
Department of Planetary Sciences der Amerikanischen Astronomischen
Gesellschaft in Padua wurde berichtet, daß zumindest eine visuelle
Beobachtung durch CLEMENTINE bestätigt wird (Poster-Beitrag
[18.04] A Lunar Transient Event in Cobrahead).
Die On-Line-News von Sky & Telescope berichteten am 22.12.1999, daß die Autoren des oben erwähnten Posters nach sorgfältiger Kalibrierung keinen Effekt mehr beobachten.
BBC News als auch die Süddeutsche Zeitung berichten am 15.06.00, daß der international anerkannte Astronom Audouin Dollfus schon 1992 transiente Phänomene im Krater Langrenus beobachtet hat, die er nach sorgfältiger Auswertung jetzt veröffentlicht.
Alle Astronomen waren aufgerufen, am 9.02.2001 gegen 04:00 UTC den Krater
Torricelli B zu beobachten. Dieser Zeitpunkt ist einen Saros-Zyklus (18 Jahre und
10,33 Tage) von der Beobachtung eines TLP-Ereignisses im Krater Torricelli B am
29.01.1983 entfernt, bei dem dieser Krater kurzzeitig der hellste Fleck auf dem
Mond war. Falls TLP durch "Spiegelungen" des Sonnenlichts hervorgerufen
werden, könnten sie sich wiederholen, wenn Sonne-Mond-Erde vergleichbare
Positionen innehaben, was sich nach je einem Saros-Zyklus ergibt. Für
weitere Informationen, siehe z.Bsp. Wilhelm-Förster
Sternwarte.
Anmerkung: Am 9. Februar wurden keine TLP im Bereich des Kraters
beobachtet.
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Die Diskussion über die Ursachen der von vielen Beobachtern berichteten Lichterscheinungen auf dem Mond, seien es Lichtreflexe an glatten Oberflächen (deshalb die Beobachtung einen Saros-Zyklus später) oder Ausgasungen, wird wieder belebt durch Messungen der "Lunar Prospector" Sonde. Schon a-Spektrometer an den Orbitalmodulen von Apollo 15 und 16 hatten die Freisetzung von radioaktivem Edelgas Radon-222 (mit einer Halbwertszeit von etwa 4 Tagen) insbesondere im Aristarchus Plateau (wobei der Krater Aristarchus mit die meisten TLP-Beobachtungen verzeichnet) und dem Mare Fecundidatis (an dessem Rand der Krater Gutenberg liegt) verzeichnet. Die a-Spektrometer des "Lunar Prospectors" bestätigten die alten Apollo-Messungen und konnten in weiten Bereichen der der Erde zugewandten Mondoberfläche Spuren von radioaktivem Po-210 messen, das aus dem ausgegasten Radon-222 hervorgeht. Dies weist auf einen hohen Gehalt an Uran (der Muttersubstanz von Radon-222) hin und, da das Radon nur von anderen Gasen mitgerissen wird, dass es öfter zu Gasausbrüchen kommt, die von der Erde in Form von transienten Lichtreflexen beobachtet werden könnten. |
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Unser Vereinsmitglied Otmar Nickel hat auf seiner Astrogalerie
neuerdings neben seinen Aufnahmen von (777)Gutemberga auch ein Bild vom
Krater Gutenberg.
Im November 2000 gelang es unserem Mitglied Ulrich Rieth den
Krater Gutenberg mit dem 12-Zoll-LX200-Teleskop der vereinseigenen
Paul-Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim aufzunehmen.
Das Observatorio ARVAL in Venezuela zeigt eine Mondphotographie mit Zeigern auf die prominentesten Mondformationen.
Besuchen Sie auch Martins Gutemberga Seite |
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Martin Goedecke fand eine umfangreiche Sammlung von Mondaufnahmen, die Philipp Salzgeber mit einem "kleinen Teleskop" erstellt hat, darunter zwei Aufnahmen mit dem Krater Gutenberg. Links befindet sich der Terminator nahe den Montes Pyrenaeus. Auf der unten links dargestellten Aufnahme des Mare Nectaris erkannte Martin den Krater Gutenberg (links oben als Teil des Gebirgszugs der Montes Pyrenaeus, der das Mare Nectaris vom Mare Fecunditatis (linkes oberes Eck) trennt). Nach etwas Bildbearbeitung erhielt er den rechten Ausschnitt, der die Topographie des Kraterbodens mit den überlagerten, späteren Einschlägen deutlich zeigt (vergl. oben Entstehungsgeschichte). |
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| Anmerkung: Der Krater "Maedler" ist nach dem Astronomen J.H. Mädler benannt, der u.a. den Krater Gutenberg benannte (s.o.). | |
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Information zu den Bildern: Camera: Sony CCD-TR2200E Pal Telescope: Vixen 130mm f/5,5 Newton with 20mm Eyepiece Für weitere Fragen, e-mail an: philipp@salzgeber.at |
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Unter den mit dem Treburer 1m Telescop (T1T) aufgenommenen Mondbildern findet sich auch ein Bild des Kraters Gutenberg.
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Unser Sternfreund Friedrich Wilhelm Gerber hat eine Serie von Aufnahmen
gemacht, bei denen sich der Krater Gutenberg in wechselndem
Abstand zum Terminator befindet. Der Web-Master hofft, bald noch bessere Scans dieser Aufnahmen präsentieren zu können. |
Aber auch mit wesentlich bescheidenerem Aufwand läßt
sich der
Krater Gutenberg
ablichten (weitere Beispiele der
Balkon-Astronomie aus Brugg, Schweiz).
Michael Theusner hat an der Volkssternwarte Hannover gemachte Mondbilder
ins Netz gestellt, auf denen auch Gutenberg zu sehen ist. Die Abbildung links
wurde am 09.05.2000 mit dem 200/3000 Refraktor der Volksternwarte Hannover mit
einer Logitech Quickcam aufgenommen. Zusätzlich wurde eine Shapleylinse
verwendet, sodass die Brennweite 1800 mm betrug.
Interessant ist
die geschilderte Technik zur Erstellung von 3D-Aufnahmen.
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Dank der Mitarbeit der Vereinsmitglieder werden immer mehr Bilder von Gutenberg online entdeckt, wie Thomas Gropps kommentiertes Bild der Umgebung des Mare Nectaris. |
António Cidadãos Moon-"Light" Atlas enthält informative Mond-Bilder, darunter auch eine Aufnahme des Kraters Gutenberg.
Die Krater Gutenberg D und der kleine Krater Gutenberg F ( siehe technische Details) befinden sich am rechten oberen Rand eines von Apollo 8 aus dem Mond-Orbit aufgenommenen Bildes der Region um den Krater Goclenius. (Der Weihnachtsflug im Jahre 1968 war die erste bemannte Raumfahrt ausserhalb des Erdorbits. Die erste Landung eines Menschen auf einem fremden Himmelskörper war bekannterweise erst für Apollo 11 im Juli des folgenden Jahres vorgesehen.)
Seitdem Walter Schirra von Bord der Mercury-Kapsel im Oktober 1962 die Erde mit seiner Hasselblad-Kamera aufnahm, waren alle amerikanischen Astronauten mit solchen Kameras ausgerüstet (siehe, "The Hasselblad Space History"). Die Apollo 8 Astronauten hatten die neue Hasselblad500EL mit Zeiss Biogon Objektiven, deren Gläser von Schott in Mainz erschmolzen wurden (siehe auch "Mainz auf dem Mond" auf der Seite "Mainz im All").
Clementine Lunar Image Browser / Features Extension
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Unter den Mondkratern mit Bezügen zu Mainz (siehe Mainz im All) sei an dieser Stelle auf den Krater Cusanus hingewiesen. In einem Beitrag in ARTE-TV über Leben und Werk Gutenbergs wurde eine Theorie erwähnt, wie Gutenberg Kenntnis von den fernöstlichen Druckversuchen erlangt haben könnte: Der Zeitgenosse Gutenbergs, Nikolaus Krebs (1401-1464) aus Kues an der Mosel (bekannt als Kardinal Nikolaus Cusanus), nahm nach einem Aufenthalt in Konstantinopel am Konzil von Basel teil. Laut ARTE-TV könnte Cusanus in Konstantinopel Kenntnis von chinesisch-koreanischen Druckexperimenten erlangt haben, die er dann in Basel an Gutenberg, den er von seiner Zeit als Rechtsanwalt in Mainz her gekannt haben könnte, weitergab und diesen somit zu seinen eigenen Druckversuchen in Straßburg angeregt haben (?????). (Siehe Bild des Kraters Cusanus.)
Wie wär's mit einem Grundstück auf dem Mond? In der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 20.11.1999 wird im Artikel Gutenberg ist Mondbürger erwähnt, daß im Augenblick der Mondkrater Gutenberg in den USA verkauft wird. Doch Vorsicht, es ist zwar sicher ein originelles Geschenk, doch mehr nicht. Siehe auch Infos zum Jahresende und Gutenberg im All / Medien-Echo. Die AAG-Mainz steht in keiner Beziehung zu Mond- oder Sternenverkäufern. Anfragen bzgl. Adressen dieser zweifelhaften Geschäftemacher richten Sie daher eher an die Redaktion der Mainzer Allgemeinen. |
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| Erstellung dieser Seite: Bernd Pfeiffer. Kritik, Fragen und Anregungen bitte an AAG Mainz oder Gästebuch Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.04.2005
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