Kalender auf das Jahr 1420

Dieses Pergament erinnert sehr an die heutigen Wandkalender. Da Pergament rar (und teuer) war, lässt die einseitige Beschriftung vermuten, dass es tatsächlich an einer Wand befestigt war.

Im Gegensatz zu unseren heutigen Kalendern führt es nicht jeden Tag auf, sondern man gab dem Besitzer die nötigen Daten zur Erstellung eines vollständigen Kalenders: So enthalten die (roten) Zeilen am Kopf z.Bsp. die Anzahl der Wochen und Tage zwischen dem Jahresanfang (damals der 25. Dezember) und dem Sonntag Septuagesima, dem 7. Sonntag vor Ostern. Mit dieser Angabe lassen sich dann alle beweglichen Kirchenfeste vom Aschermittwoch über Ostern bis Pfingsten berechnen.

Der Hauptteil des Kalenders gibt die Neumond-Zeiten auf die Minute in Gedichtform. Die Menschen des Mittelalters (und nicht nur sie) glaubten, dass der Mond als der Erde nächststehender "Planet" den größten (astrologischen) Einfluss auf die Natur und ihr Leben hat. Die genaue Kenntnis der Mondphasen war daher von höchster Wichtigkeit, deshalb auch die Zeitangabe auf die Minute. Diese Zeiten wurden meist für einen vollen "Metonischen Zyklus" von 19 Jahren (deshalb auch die Angabe der Stellung im laufenden Metonischen Zyklus, die "Goldene Zahl" [ guldin zale], in den (roten) Kopfzeilen) vorausberechnet durch fortwährende Addition des "mittleren synodischen Monats" (Lunation) von 29 Tagen 12 Stunden und 44 Minuten (heutiger Wert plus 2,9 Sekunden), wobei die wirklichen Zeiten davon aber mehr oder weniger abgewichen sind, da der wechselnde Einfluss der Planeten erst sehr viel später berechnet werden konnte. (Ganz zu schweigen von den Unzulänglichkeiten des Julianischen Kalenders, die erst 1582 von Gregor XIII korrigiert wurden!)


Den vollständigen Text findet man im Buch von Prof. E. Simon The Türkenkalender (1454) Attributed to Gutenberg and the Strasbourg Lunation Tracts, das in der Universitätsbibliothek Mainz eingesehen werden kann.


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