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Frühe astronomische Druckwerke

Prolog:

Ein Loblied auf die Druckkunst aus einer Kurzgeschichte der Astrologie, entnommen der Web-Page der medienwirksamen Dr. Elizabeth Teissier.

L'invention de l'imprimerie par Gutenberg, en 1450, permit la diffusion des traités astrologiques, des almanachs et des éphémérides. Ces publications allégeaient considérablement les calculs fastidieux des astrologues. Elles permirent, de plus, de diffuser l'astrologie auprès d'un large public.

Die ersten astronomischen Drucke mit beweglichen Lettern wurden bereits im Umfeld von Gutenberg hergestellt. Neben den zeit- (und kapital-)intensiven Bibeldrucken stellte er zahlreiche kleine Büchlein und Einblattdrucke her (wie die lateinischen Schulgrammatiken des Aelius Donatus, Ablassbriefe, Kalender), die bereits als Handschriften reißenden Absatz gefunden hatten (s., z.Bsp., einen Kalender auf das Jahr 1420) und hohe und sichere Einnahmen versprachen. Er druckte verschiedene Kalender (Almanache), die neben den beweglichen kirchlichen Feiertagen die Zeiten für Neu- und Vollmond angaben (Diese Tradition lebt bis heute in den nautischen Almanachen oder den Himmelsjahrbüchern fort. Ein alltägliches Beispiel sind Abrisskalender, die Mond- und Sonnenauf- und Untergang, die Tagesheiligen und kurze Mitteilungen enthalten). Die allgemeine Verbreitung verdankten sie allerdings der Tatsache, dass man mit Hilfe dieser Angaben den astrologisch günstigen Zeitpunkt für kleinere medizinische Eingriffe, etwa Aderlass, Abführen oder die Einnahme von Medikamenten, bestimmte. Der in der Bibliothèque Nationale in Paris befindliche Aderlasskalender für das Jahr 1457 (von Medizinhistorikern auch als erstes gedrucktes Medizinfachbuch bezeichnet) formuliert diesen Verwendungszweck gleich zu Beginn: Côiûctioês [et] opposicoês solis et lune ac inîucoês electîe nec nô dies pro medicîs laxatiuis sumendis.... (Siehe vollständigen Text mit teilweise abweichender Lesart.) Als reine Verbrauchsgüter sind allerdings nur wenige Fragmente dieser Kalender überliefert, so von der Flugschrift Eyn mannung der christenheit widder die durcken (als Türkenkalender bekannt) vom Dezember 1454 (ein Appell an die Fürsten Europas zum Kreuzzug gegen die Türken, die 1453 Konstantinopel erobert hatten: den vebeln turken vund sin folck zuuertriben/ daß: sie ir keinen lebendig lassen blyben/ weder in turky grecie asye noch eropa [eine kleine Anmerkung zur Rechtschreibreform, nicht als aktuelle Handlungsaufforderung misszuverstehen!]) mit einem Kalendarium für 1455 (wobei die Neumonddaten das Kalendergedicht gliedern und darüberhinaus einen Kaufanreiz liefern, da diese Zeitpunkte eine große Bedeutung für die damals weit verbreitete Astrologie hatten [für eine profunde Beschreibung, siehe E. Simon "The Türkenkalender (1454): Attributed to Gutenberg and the Strasbourg Lunation Tracts"), dem Aderlasskalender für 1457 (s. oben) und einer "Tafel der Neu- und Vollmonde und der Planetenörter auf das Jahr 1448" (als "Astronomischer Kalender" bekannt) von 1457/8.
Gerade am letztgenannten Kalender zeigt sich die Problematik der Zuordnung der ersten Drucke: Gutenberg hat keinen der ihm zugeschriebenen Drucke (auch nicht die Bibel) signiert oder datiert.
[Die Analyse der Druckerschwärzen einer ganzen Reihe der frühen Drucke mittels protonen-induzierter Röntgen-Emission an der University of California in Davis ergab zumindest, dass bei allen frühen Mainzer Drucken eine Druckerschwärze auf der Basis von Kupfer- und Bleiverbindungen benutzt wurde, von dem Sibyllenbuch bis zur 36-zeiligen Bibel (s. TIME MAGAZIN, March 10, 1986, p. 75). Die Drucke, die allgemein der Offizin Fust-Schöffer zugeschrieben werden, scheinen ein etwas anderes Cu/Pb-Verhätnis aufzuweisen. Solche naturwissenschaftlichen Analysen sind hilfreich, können allerdings nicht die Frage nach den beteiligten Personen klären.] Die Angabe 1457/8 aus dem Ausstellungskatalog steht im Gegensatz zur astronomie-historischen Untersuchung von Ernst Zinner "Entstehung und Ausbreitung der Copernicanischen Lehre", in der dieser Kalender als 1448, also vor der Bibel, entstanden aufgeführt wird. Dieser Kalender stützt sich für die Monddaten auf Beobachtungen im Jahr 1448, die deshalb wesentlich präziser sind als in vergleichbaren Werken, die berechnete Werte verwenden. Insbesondere weichen die Daten erheblich von den von der Kirche autorisierten Zeiten ab, die sich auf den damals schon sehr aus dem Tritt geratenen Julianischen Kalender stützten. Darüberhinaus enthielt der Kalender die Planetenstellungen alle 15 Tage. Zinner vergleicht ihn mit einem zeitgleichen (handschriftlichen) Almanach der Universität Leipzig, der diesselben Daten für jeden dritten Tag aufführt und erwähnt, dass der 12 jährige Regiomontanus als er 1448 in Leipzig sein Studium aufnahm, diese Daten schon genauer für jeden Tag berechnet hatte.
Einen guten Eindruck dieser Einblattdrucke vermittelt der vom Mainzer Universitätsdrucker Peter Friedberg gedruckte Almanach für Mainz, 1492 (lateinisch). Er wurde von Magister Petrus Hernßheymer, medicinarû licentiatus berechnet und enthält Zeitangaben über Mondphasen und nach Monaten geordnete Aderlass-Ratschläge. Die Angehörigen der 1477 gegründeten Universität stellten den Druckern das notwendige astrologisch/medizinische Wissen zur Verfügung. Wer die von Gutenberg gedruckten Kalender berechnete ist dagegen nicht bekannt, obwohl einige Anzeichen (wie die teilweise Verwendung des nieder-alemannischen Dialekts und regionale Besonderheiten bei Tagesheiligen) auf Straßburg verweisen.

Quelle: Ausstellungskatalog "Gutenberg, aventur und kunst". Hernsheimers Almanach ist auf Seite 229 abgebildet.

Paper instrument representing the epicycle mechanism of a planet's path.
From Rheinhold's edition of Peurbach's Theoricæ Novæ Planetarum (1542): see O. Gingerich, "Astronomical Paper Instruments with moving parts," in R. Anderson, J. Bennett, W. Ryan (eds.), Making Instruments Count (1993).

Als der 12 Jahre alte Johannes (Müller) Regiomontanus seine Studien in Leipzig begann, hatte er die Stellungen der Planeten schon für jeden Tag berechnet. Um 1470 erwarb er eine Druckerwerkstatt in Nürnberg um astronomische Fachbücher zu verlegen. Als erstes Werk erschien 1472 "Theoricæ Novæ Planetarum" seines Lehrers Georg von Peuerbach (siehe oberes Bild), das an den Universitäten die seit etwa 1200 verwandten Lehrbücher Tractatus de sphæra mundi des Johannes Sacrobosco (für Anfänger) und Theoricæ planetarum des Gerard von Cremona (für Fortgeschrittene) ablösten. 1474 gab er die "Ephemerides astronomicæ" heraus, die im Gegensatz zu Gutenbergs Kalendern die Planetenstellungen für jeden Tag der Jahre 1474 bis 1506 enthielten (Eine Ausgabe benutzte auch Christoph Kolumbus.). Kurz danach wurde er zum Bischof von Regensburg vorgeschlagen und nach Rom berufen, um an der Kalenderreform mitzuarbeiten (die allerdings dann erst etwa 100 Jahre später durchgeführt wurde). 1476 verstarb er in Rom, ohne sein umfangreiches Werk selbst publizieren zu können.

J. Regiomontanus
"Kalendarium magistri Joannis de monteregio viri peritissimi"
Venedig 1476
Sein "Kalendarium" enthielt nicht nur Vorhersagen von Eklipsen (Die, wie oft kolportiert, Kolumbus auf seiner 4. Reise auf Jamaika zur Einschüchterung der Indianer einsetzte; tatsächlich benutzte er die Gelegenheit, um durch genaue Beobachtung des Zeitpunkts der Mondfinsternis am 29. Februar 1504 und Vergleich mit dem von Regiomontanus für Nürnberg berechnetem Zeitpunkt die geographische Länge zu bestimmen, doch auch das konnte ihn nicht davon abbringen, sich in Hinterindien zu befinden.), sondern in der lateinischen Fassung die "korrekten" Ostertermine (siehe Kalenderreform oben).
Von nachhaltigem Einfluss auf die Entwicklung der Astronomie waren zum einen die Arbeiten zur Trigonometrie (De triangulis omnimodis) und zum andern der zusammen mit Peurbach erarbeitete Kommentar zum Almagest, der auf der 1451 von George Trebizond erstellten lateinischen Fassung direkt aus dem griechischen Original (und nicht wie bis dahin aus arabischen Übersetzungen) beruhte (Abbildung siehe unten). Der "Epitome" war eine vollständig überarbeitete, gestraffte Ausgabe, die die Verfahren des Ptolemaios klar herausarbeitete und als Grundlage für die weitere Entwicklung diente. Er leitete eine intensive Beschäftigung der Humanisten mit der mathematischen Astronomie ein, die dann, ironischerweise, in der Umstürzung des Ptolemaischen Systems durch Kopernikus kulminierte (s., z.Bsp., Encyclopædia Britannica).

Hinweis: In der bis zum 3.10.2000 laufenden Sonderausstellung des Gutenbergmuseums zum 600. Geburtstag Gutenberg, aventur und kunst kann man die deutsche Ausgabe des Calendariums sehen, die 1478 ebenso wie die lateinischen und italienischen Ausgaben von 1476 in der Druckerei Erhard Ratdolts in Venedig nach Vorlage von Regiomantanus "Ephemerides astronomicæ" erstellt wurde.

Daneben liegt das oben erwähnte Lehrbuch "Tractatus de Sphæra Mundi" des Johannes Sacro Bosco in einer Ausgabe von 1482 [ Link zu einer englischen Übersetzung von Lynn Thorndike von 1949.]. Es ist zusammengebunden mit der Kosmographie des römischen Geographen Pomponius Mela, aufgeschlagen ist eine Erdkarte aus dem letzteren Druck.
In der gleichen Vitrine liegt ein weiteres Werk aus Ratdolts Werkstatt aus dem Jahre 1484, und zwar (wohl der erste) Druck der lateinischen Übersetzung des (Spät-)werkes von Claudius Ptolemæus Apotelesmatika (besser bekannt als Tetrabiblos): "Opus Quadripartitum, seu de apotelesmatibus et judiciis astrorum, libri IV". Basierend auf babylonischen (Ähnlich der Tontafelsammlung Enuma Anu Enlil aus der Bibliothek Assurbanipals (669 - 627 v. Chr.) in Niniveh, einer Zusammenfassung von astronomischen Beobachtungen und gleichzeitig aufgetretenen irdischen Ereignissen, s. links) und ägyptischen Quellen legte Ptolemæus (leider) mit diesem Werk den Grundstein für die Astrologie bis auf unsere Zeit.
(Anmerkung: Die erwähnten Keilschrifttexte sind (richtig angewandt) eine unschätzbare Quelle für die Astronomie und die Datierung der assyrisch/babylonischen Reiche [siehe z.Bsp. Eclipse Prediction in Mesopotamia, J.M. Steele in Arch. Hist. Exact. Sci. 54 (2000) 421]. Und bei genauem Hinsehen haben sie obendrein wenig mit der heutigen Astrologie gemein, auch wenn manche Astrologen sie unablässig zitieren [Doch oft ohne jeden Verstand. Diese 7000 Omen-Tafeln sind nicht nach einem legendären Priester benannt, wie man manchmal liest, sondern nach den Anfangsworten: Als Anu, Enlil und Ea, die großen Götter, nach ihrem Ratschluß die Orakel des Himmels und der Erde niedergelegt hatten.], um den Eindruck zu erwecken, ihre "Wissenschaft" habe uralte Wurzeln.)
Praktischerweise ist diesem Buch beigebunden die erste gedruckte Version der Alfonsinischen Tafeln, mit denen man von 1252 bis ins 16. Jahrhundert Eklipsen und Planetenpositionen (z.Bsp. für Horoskope) berechnete.
Diesen Band hat die Mainzer Stadtbibliothek vom ehemaligen Jesuiten-Kolleg übernommen, man wird ihn also auch nach der Ausstellung noch einsehen können.


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Im weiteren eine kleine Auswahl astronomischer Werke bedeutender Astronomen (ausgewählt nach dem Kriterium der elektronischen Verfügbarkeit von Bildern) bis hin zur Begründung der Himmelsmechanik durch Isaac Newton, die in eine neue Epoche überleitete:
Claudius Ptolemæus
"Almagestum"
Venedig 1515
G. v. Peurbach, J. Regiomontanus
"Epitome in Ptolemai Almagestum" (1496)
Während die mathematischen Methoden und die Kosmologie des Almagest heute nur noch Historiker interessieren, ist die Sterntabelle (hier das Sternbild Orion) immer noch eine unersetzliche Quelle, z.Bsp. für die Bestimmung von Eigenbewegungen naher Sterne.
Eine on-line Version befindet sich beim Centre de Données astronomiques de Strasbourg: The Almagestum Star Catalogue: V/61.
Kopernikus persönliches Manuskript mit dem heliozentrischen System
(ca. 1521 - 1541)
Nikolaus Kopernikus
"De revolutionibus orbium coelestium, libri VI"
Nürnberg 1543
Die Jagiellonische Bibliothek in Krakau hat das Manuskript von "De revolutionibus ..." digitalisiert.
Christoph Clavius
"In Sphæram Ioannis de Sacro Bosco Commentarius"
gedruckt Venedig 1596
Kopernikus Ideen (die schon etwa dreissig Jahre vor der Drucklegung unter Astronomen umliefen) wurden bereits ca. 1540 von dem führenden Astronomen der Jesuiten Christoph Clavius in einer kommentierten Ausgabe des weitverbreiteten astronomischen Lehrbuchs " De Sphæra Mundi" diskutiert (mit Permissu Superiorum!). [Siehe Towards a new world model]
Peter Apian
"Instrument Buch"
Ingolstadt 1533
Tycho Brahe
"Astronomiæ instauratæ mechanica" (1598)
Ende des 16. Jahrhunderts gelangen Tycho Brahe die genauesten astronomischen Beobachtungen (der Vor-Teleskop-Aera) mit von ihm verbesserten Instrumenten, die dann seinem Mitarbeiter und Nachfolger in Prag die Berechnung der wahren Form der Planetenbahnen gestatteten.
Galileo Galilei
"Il Sidereus Nuncius e le scritture ad esso attinenti"
Venedig 1610
Johannes Kepler
Tabulæ Rudolphinæ" (1627)
Im "Sternenboten" beschreibt Galilei seine ersten Beobachtungen mit dem neuen Teleskop, die das Weltbild nachhaltig verändern sollten. Die "Rudolfinischen Tafeln" wurden entsprechend den Keplerschen Gesetzen berechnet und übertrafen alle vorherigen an Genauigkeit, inklusive den 1551 von Erasmus Rheinhold basierend auf dem Kopernikanischen System berechneten "Tabulæ Prutenicæ Coelestium Motuum". (Die leichte Überlegenheit über die aus dem 13. Jahrhundert stammenden "Alphonsinischen Tafeln" wird von den meisten Historikern den mathematischen Fähigkeiten Rheinholds und nicht dem Kopernikanischen System zugeschrieben.)
Galileo Galilei
"Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo, tolemaico e copernicano"
Florenz 1632
Sir Isaac Newton
"De Philosphiæ Naturalis Principia Mathematica"
London 1687


On 4 March 1675 Charles II appointed Flamsteed his astronomical observer by Royal Warrant. From his salary of £100 he had to pay £10 taxes and also provide all his own instruments so that he might:
... apply himself with the most exact care and diligence to rectifying the tables of the motions of the heavens, and the places of the fixed stars, so as to find the so-much-desired longitude of places for perfecting the art of navigation.

Mit der Ernennung Flamsteeds zum ersten königlichen Astronomen wurde die Astronomie zu einem Beruf (nachdem es seit Urzeiten schon Berufsastrologen gegeben hatte), damit beschleunigte sich auch die endgültige Abnabelung von der Astrologie.

Einen nicht zu unterschätzenden Antrieb für die Astronomie bedeutete dann der am 16. Juni 1714 vom englischen Parlament erlassene "Longitude Act":

... for providing a publick reward for such person or persons as shall discover the longitude... to a sum of ten thousand pounds, if it determines the said longitude to one degree of a great circle, or sixty geographical miles, to fifteen thousand pounds, if it determines the same to two thirds of the distance, and to twenty thousand pounds, if it determines the same to one half of the same distance...

Für die Navigation nach den Sternen mussten wesentlich präzisere Sternkataloge angefertigt werden, was die Entwicklung neuer Instrumente und Beobachtungstechniken erforderte. Eine der ersten fundamentalen Entdeckungen die dabei (quasi nebenbei) anfielen war die Beobachtung der sphärischen Aberration durch James Bradley im Jahre 1728, womit er den ersten experimentellen Beweis für das Kopernikanische System erbrachte.
Trotz aller Anstrengungen der Astronomen ging der Preis letztendlich an den Uhrmacher John Harrison, der die Bedingungen mit seinen Chronometern erfüllte (links der preisgekrönte H4-Chronometer).


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Gutenbergs Erfindung beschleunigte unbestreitbar den Übergang von der antiken Astronomie (mehr oder weniger als Hilfswissenschaft der Astrologie) zur modernen rein naturwissenschaftlich ausgerichteten Astronomie/Astrophysik, wie die zuvor beispielhaft gezeigten Werke belegen. Dieser Übergang vollzog sich kontinuierlich und manche der oben zitierten Personen sind (im heutigen Sinn) sowohl als Astronomen als auch Astrologen zu bezeichnen (s. rechts: Keplers Verteidigung der Astrologie). Und Alchimisten waren sie meist obendrein, siehe oben das Alchimistenlabor Tycho Brahes im Hintergrund der Abbildung des Mauerquadranten oder den Eintrag über Isaac Newton in der Encyclopædia Britannica.

Die Astrologen/Astronomen erkannten auch als erste, welch neue Möglichkeiten die Druckkunst zur schnellen (und erschwinglichen) Verbreitung von Neuigkeiten und besonderen Ereignissen eröffnete.

Diese beiden Illustrationen entstammen frühen Einblattdrucken. Als Aufhänger für die Ankündigung von Katastrophen dienen die großen Konjunktionen von Jupiter und Saturn, die im 15. und 16. Jahrhundert in den dem Wasser-Trigon zugeordneten Tierkreiszeichen stattfanden. Entsprechend wurde alle 20 Jahre eine neue Sintflut (und oft auch die Wiederkunft Christi) vorausgesagt. Die Käufer dieser Pamphlete ließen sich durch Tatsachen (Statt der rechts für 1524 angekündigten Sturzfluten folgte einer der trockensten Sommer seit Menschengedenken. Die dadurch bedingten Missernten könnten zum "Grossen Bauernkrieg" 1525 beigetragen haben; Astrologen sahen da einen anderen Zusammenhang.) nicht davon abbringen, beim nächsten mal wieder darauf hereinzufallen (Dies gilt (bedauerlicherweise) bis in unsere Zeit, ich erinnere an gewisse Publikationen zur "Aufreihung" der Planeten im Mai 2000.).

Anmerkung: Fast schon mythenumrankt ist die Prophezeiung des Weltuntergangs durch eine Sintflut im Sommer 1524 von dem Brandenburgischen Hofastrologen/nomen Johannes Carion: "Prognosticatio und erklerung der grossen weserung". Nachdem die seit vielen Jahren angekündigten Katastrophen während der Konjunktion im Januar/Februar 1524 zur Erleichterung der Menschen ausblieben, berechnete Carion einen neuen Zeitpunkt für den 25. Juli 1524. Der gesamte Brandenburgische Hofstaat flüchtete auf den Tempelhofer Berg (nach anderen Überlieferungen den Kreuzberg, beides heute Berliner Stadtteile). Die Rückkehr ins Berlin-Cöllner Schloss soll unter schallendem Gelächter der Berliner erfolgt sein, wenigstens soll es dabei einen Gewitterregen gegeben haben. Nichtsdestotrotz war Carion ein bedeutender Gelehrter und sein Andenken wird in Berlin (vielleicht gerade wegen dieses "Reinfalls"?) noch immer im Carionweg wach gehalten.

Siehe Berechnung mit SkyMap Pro

Im Juni 1504 befand sich Mars entgegen der Abbildung nicht bei den Planeten Jupiter und Saturn (siehe Berechnung mit SkyMap Pro). Um die Weissagungen bedrohlicher erscheinen zu lassen, hat Sebastian Brant offensichtlich Mond (als Frau Luna links abgebildet) und Mars (in Ritterrüstung) vertauscht.


Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese Konjunktionen (vielleicht auch gerade durch solche Druckwerke) zu allgemeinen Diskussionen astrologisch/astronomischer Themen in der interessierten Öffentlichkeit führten. Und in zumindest zwei Fällen hatten sie einen mehr oder weniger großen Einfluss auf junge Menschen, die dann die Astronomie voranbrachten. Die oben dargestellte Konjunktion im Tierkreiszeichen Krebs 1503/4 wurde von einem jungen Domherren im Ermland beobachtet, der gerade seine Studien in Oberitalien beendet hatte, in denen er sich intensiv mit Astronomie beschäftigt hatte. Er stellte fest, dass die relative Position der Planeten Jupiter, Saturn und Mars stark von den berechneten Werten abwich. Dies war sicher mit ein Beweggrund, über ein neues System nachzudenken.
1563/4 vermass ein weiterer junger Mann eine große Konjunktion. Er musste feststellen, dass das neue System zwar deutlich bessere Berechnungen ergab, aber noch immer zu große Abweichungen aufwies. Er erkannte, dass weitere Verbesserungen erst dann möglich wären, wenn man präzisere Beobachtungen der Planetenpositionen vornahm und beschloss, sein Leben diesem Zweck zu widmen. Ihm gelang es mit weiterentwickelten Instrumenten (siehe oben sein berühmter Mauerquadrant) ausreichend genaue Positionen zu bestimmen, die es dann seinem Nachfolger als Hofastrologe in Prag gestatteten, die wahre Gestalt der Planetenbahnen insbesondere aus den Marsdaten zu errechnen (siehe links das Schema der Marsbahn aus Keplers Astronomia nova, Prag 1609).


Den sich alle 20 Jahre wiederholenden "Großen Konjunktionen" von Jupiter und Saturn wurde zu allen Zeiten besondere Beachtung geschenkt, insbesondere wenn sich noch andere "klassische" Planeten dazu gesellten. Astrologen maßen ihnen großen Einfluss auf das Geschick ganzer Völker zu, wobei Werke des führenden islamischen Astrologen Abu Ma'shar (Albumazar) besonders zu erwähnen sind. Diese Traditionen beeinflussten noch Johannes Kepler, der durch seine Beobachtung eines "Neuen Sterns" 1604 gleichzeitig mit einer Großen Konjunktion zu seinen Berechnungen zur Geburt Jesu (Stern von Bethlehem) angeregt wurde. Die Große Konjunktion des Jahres 7 v.Chr. wurde schon im Mittelalter mit alten Überlieferungen zur Geburt Moses in Bezug gesetzt. Die Konjunktionen finden alle (etwa) 795 Jahre im gleichen Tierkreiszeichen statt und haben somit astrologisch gleichen Einfluss. Kepler stellte dann Moses, Jesaja, Jesus, Karl den Großen und seinen Brötchengeber Kaiser Rudolf II (an dessen Prager Hof sich viele Astrologen und Alchimisten aufhielten) in eine Reihe. Die entsprechende Konjunktion im Jahre 1584 war die erste in einem dem Feuer-Trigon zugeordneten Tierkreiszeichen und das Auftreten von Tycho Brahes und Keplers Supernovae 1572 bzw. 1604 wurde als himmlische Bestätigung dieser astrologischen Vorstellungen aufgefasst. Dies waren die letzten zweifelsfrei (optisch) beobachteten Supernovae in der Milchstrasse. Dank der intensiven Beobachtungen der Planeten zur Überprüfung der nach den geo- bzw. heliozentrischen Modellen berechneten Alphonsinischen und Prutenischen Tafeln (s.o.) konnten die Supernovae kaum übersehen werden. Den Anstoss zu den intensiven Planetenmessungen gab die Unsicherheit in den Planetentafeln, ob die Konjunktion 1563, die nicht direkt beobachtet werden konnte, noch im Wasser-Trigon oder schon im Feuer-Trigon stattfand, anders gesagt, ob die Astrologen weiterhin den Weltuntergang durch eine neue Sintflut (wie in den obigen Flugblättern) oder eher durch "Feuer vom Himmel" voraussagen sollten. Die Konjunktionen kehren nach 60 Jahren um etwa 9° versetzt ins gleiche Tierkreiszeichen zurück. Da die Konjunktion von 1504 wie im obigem Flugblatt dargestellt "19° im Krebs" auftrat, sollte diejenige im Jahre 1563 mit 28-29° gerade noch im Krebs auftreten, hätte aber auch gerade schon im folgenden Zeichen liegen können. Die seit diesem Zeitpunkt von Tycho Brahe vorgenommenen präzisen Messungen gestatteten dann Kepler die elliptische Form der Planetenbahnen zu bestimmen (siehe vorigen Abschnitt und den unten erwähnten Artikel in "Sky & Telescope" 1981). Damit verhalf die Astrologie der mathematischen Astronomie zum Ausbruch aus der Sackgasse der theologisch/philosophisch begründeten Kreisbahnen!]

Weitere Angaben zu dem Einfluss der großen Konjunktionen finden sich z.Bsp.in zwei Artikeln in "Sky & Telescope", und zwar im Heft May 1981, p.394 (Astronomical Scrapbook; Great Conjunctions, Tycho, and Shakespeare Owen Gingerich), das insbesondere die Konjunktionen des 16. Jahrhunderts bespricht, sowie in einem aktuellen Beitrag anlässlich der Massierung im Mai 2000 (Conjunctions that changed the world von B.F. Schaefer in "Sky & Telescope 99(5)" (May 2000), p. 28), der mit dem Einfluss auf die chinesiche Geschichte vor 4000 Jahren beginnt und den Bogen bis 1941 spannt, als Rudolf Hess genau während einer Konjunktion nach Schottland flog.


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Erstellung dieser Seite: Bernd Pfeiffer.
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.08.2003

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